Meine Tochter nicht
Vater: Wenn´s um unser Kind geht, wenn es um das Leben unserer Tochter geht ...
Erwartest Du nicht, dass ich alles für sie tu?
Mutter: Ja ... nein, um Gottes Willen, was meinst du mit „alles“?
MEINE TOCHTER NICHT
........ ist die Geschichte einer ganz normalen Vater - Mutter - Kind Familie in einer Großstadt, zum Beispiel in Wien. Es ist überhaupt nicht wichtig, in welchem Bezirk, die Geschichte könnte überall passieren.
Der Vater, Paul Hofer, Mitte 40, ist Steuerberater, seit Kurzem verantwortlich für acht Mitarbeiter, er könnte aber auch Lehrer, Arzt oder Lagerarbeiter sein.
Die Mutter, Maria Hofer, Anfang 40, betreibt mit ihrer Partnerin Anna ein Studio für Pilates, Yoga, Shiatsu und Kickboxen. Maria betreut den Wellness Bereich, arbeitet selbst als Masseurin und erledigt die Organisation des Studios. Wobei auch sie irgendeinen anderen Beruf haben oder überhaupt Hausfrau sein könnte.
Das Kind, Tochter Nadja Hofer, ist 16. Dieses Alter ist wichtig für die Geschichte. Ob sie ins Gymnasium geht oder eine Lehre absolviert, ist unerheblich.
......... ist eine Geschichte, die sich aus mehreren Geschichten zusammensetzt, welche eines gemeinsam haben: sie sind alle wirklich passiert. Und zwar vor kurzem, nicht irgendwann und irgendwo, irgendwelchen unbekannten Menschen am anderen Ende der Welt. Sie geschehen jeden Tag nebenan, bei Bekannten, Verwandten, Freunden, uns. So ist das. Wir, das heißt, unsere Gesellschaft, spielt russisches Roulette und wir riskieren sehr viel, eigentlich alles, geht es doch um das Leben unserer Kinder.
........ ist eine Geschichte, die überhaupt nicht objektiv erzählt wird. Sie betrifft nur alle. Gerade weil es keine Erklärung und auch keine Lösung zu geben scheint. Warum die eine Familie betroffen ist und die andere nicht, kann keiner sagen. Glück gehabt, heißt es dann, oder eben Pech. Ehe man in so etwas hineinschlittert, kann niemand sich auch nur annähernd vorstellen, was auf ihn zukommen wird.
........ ist eine Geschichte, die keine Erklärungen geben kann. Wer eine sucht, wird erleben, dass fast jeder so eine Geschichte kennt oder sogar selber erlebt hat, dass aber niemand Antwort geben kann auf die Fragen, warum dies alles passiert und warum wir es nicht verhindern.
........ ist wie ein lauter Schrei aus einer ganz normalen Familie in ganz normalen Verhältnissen. Das nächste Mal, wenn sie in paar Meter von einer Apotheke entfernt eine leere Packung Somnubene auf dem Gehsteig liegen sehen, werden sie an Nadja denken, an ihren Vater und an ihre Mutter, Menschen, die nebenan wohnen, mit denen sie auch verwandt sein könnten.
............... wird von der Mutter, von Maria erzählt, aus ihrem Blickwinkel gesehen, von ihren Erinnerungen, Gefühlen und Reaktionen geprägt. Sie hat die Geschichte noch nie im Ablauf erzählt, immer nur in einzelnen Bruchstücken und Episoden, fast immer bis zur Unkenntlichkeit verharmlost. Aber irgendwann muss sie die Geschichte erzählen, einfach loswerden, sonst erstickt sie noch daran.

